20er Haute Couture Paper Dolls

Paper Dolls Tom TierneyIch habe mir die englischen “Great Fashion Designs of the Twenties Paper Dolls in Full color” von Tom Tierney wegen der tollen Darstellung der Kleidung aus der Zeit gekauft.

Seit 200 Jahren sind solche Ausschneidepuppen aus Papier und Pappe ein preiswertes und beliebtes Kinderspielzeug und dienten zur Darstellung von Mode für Erwachsene. Ich hatte als Kind selbst Nachdrucke von historischen Papierpuppen, ich vermute belle Époque (um 1900), und ich habe meine eleganten Damen sehr geliebt.

Der hier vorgestellte Band ist Teil einer ganzen Reihe verschiedener Epochen. Der Illustrator Tom Tierney hat die Paper Dolls zu einer eigenen Kunstform erhoben und stellt die Kleidung aus der jeweiligen Epoche so authentisch wie möglich dar, weswegen diese auch aus historischer Sicht sehr interessant sind.

Paper Dolls

Redfern Sportanzug, Chanel Ensemble

Dargestellt sind 30 tatsächliche Haute Couture Stücke der bekanntesten Designer der Zwanziger Jahre mit Beschreibungen der Designs. Die meisten Modehäuser  wie Poiret, Schiaparelli, Molyneux, Redfern oder Louiseboulanger gibt es nicht mehr, damals haben sie aber die Mode der Zeit bestimmt. Überdauert haben Chanel und Lanvin, Rochas und Patou wenigstens im Bereich der Parfums.

An der linken Puppe rechts ist ein Sportanzug aus dem Jahr 1921 von Redfern zu sehen. In den Zwanzigern gab es erste Modehäuser, die mit eigene Modelinien für Sportbekleidung anfingen. Outfits wie dieses waren allerdings nicht für die Sportler gedacht, sondern für die Zuschauer. Bei einem Tennismatch in Wimbledon hat man so etwas also auf der Tribüne getragen. Der feine, gelbe Wollserge ist mit Plaidstoff in créme, gelb und braun besetzt.

Die rechte Puppe trägt ein Ensemble aus Mantel, Kleid, Hut und Tasche von Chanel aus dem Jahr 1926. Das Kleid und der dreilagige Bolero-Mantel bestehen aus Wolle-Crepe (auch Crepella oder Crepe Georgette genannt). Das gesamte Design ist in dunkelrot gehalten, einer der Lieblingsfarben von Coco Chanel.

Paper Dolls Tom Tierney

Korsett v. Renté & Badeanzug v. Tom Tye (beides 1924)

Paper Dolls und Mode

Die Modejournale mit ihren illustrierten Beilagen drucken ab Ende des 18. Jahrhunderts Vorläufer der Ausschneidepuppen, wie das in Deutschland ab 1786 erscheinende “Journal des Luxus und der Moden”.

So berichtet dieses Magazin 1791:

„Eine neue sehr artige Erfindung ist die so genannte englische Puppe, die wir vor kurzem aus London erhalten haben. Es ist eigentlich ein Kinderspiel für kleine Mädchen, aber dabei so artig und geschmackvoll, dass wohl auch Mütter und erwachsene Frauenzimmer gern damit spielen, zumal da man den guten oder schlechten Geschmack, sich zu kleiden und zu coeffieren sinnlich darin zeigen und sozusagen studieren kann. Das Ganze liegt in einem sauberen Papierumschlage und kann leicht zum Amusement in Gesellschaften und für Kinder bey sich getragen werden.”

Paper Dolls Tom Tierney

Designs von Paquin, Drécoll, Worth und Molyneux

In Modejournalen wie dem französischen „Psychée“ werden sie daraufhin auch abgedruckt, um sich durch diePuppen einen besseren Eindruck der vorgestellten Designs machen zu können.

Mit der Entwicklung moderner Drucktechniken im Laufe des 19. Jahrhunderts werden die Paper Dolls immer günstiger und dadurch beliebter. So werden ab den 1830er Jahren statt teurer Sets mit bereits ausgeschnittenen Puppen und Kleidungsstücken preiswerte Bögen zum selbst ausschneiden angeboten.

 

 

 

Author: Rain Elixirs

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