Die Haute Couture

Bevor es Haute Couture (französisch für „gehobene Schneiderei“) gab, wurde Kleidung komplett den Wünschen der Kunden angepasst und maßgeschneidert. Der Kunde war also der Designer, was wie man sich denken kann, nicht zu Innovation und bahnbrechenden Änderungen führte. Es wurden immer die gleichen Schnitte benutzt und die Dame passte meist nur Verzierungen und Stoffe an.

So kann man verstehen, dass zum Beispiel im Rokoko, also fast das gesamte 18. Jahrhundert lang, eine Robe á la Francaise getragen werden konnte. So viele Jahrzehnte ein einziger Schnitt mit nur kleinen Veränderungen! Das ist so, als würden wir unser ganzes Leben lang zum Beispiel Jeans und Sweatshirt tragen.

Demgegenüber war die Haute Couture ein bahnbrechende Veränderung. Denn es gibt eine vorgefertigte Kollektion aus Kleidern und die Kundin wählt daraus das Design aus. Die ausgewählten Stücke werden dann handgearbeitet und den Maßen der Kundin ideal angepasst.

Im Gegensatz dazu steht übrigens die Prêt-à-porter oder ready-to-wear Mode, die in Standard Größen gefertigt wird und somit nicht maßgeschneidert ist.

Haute Couture

Lady Curzon, Pfauen-Kleid, Worth 1909

Geschichte der Haute Couture

Gründervater der Haute Couture ist ausgerechnet ein Engländer! Charles Frederick Worth zog er mit 20 Jahren nach Paris und gründete dort 1857/58 das erste große Modehaus. Die Fashionista Kaiserin Eugénie nahm ihn unter ihre Fittiche und er wurde bald ein Liebling der Gesellschaft.

Worth war der erste Schneider, der aus seinem Namen eine Marke kreierte, indem er jährlich eine neue Kollektion präsentierte und somit die verkaufsfördernde Konstante der Veränderung einführte- voilá die Couture ist geboren.

Seine extrem aufwendigen und kostspieligen Modelle, die Worth erstmals an Models zeigte, liebten Adlige, Schauspielerinnen und die Nouveaux Riches. Worth schneiderte für Kaiserin Eugénie, Königin Victoria, die Fürstin Pauline von Metternich und die Kaiserin Elisabeth von Österreich.

Haute Couture

Pariser Atelier

Bis in die 1960er bestimmten Pariser Couturiers wie Coco Chanel, Christian Dior und Yves Saint Laurent die Mode Europas und damit die Art und Weise wie sich Frauen kleideten.

Während Haute Couture heutzutage um ihre Relevanz kämpft, spielte sie vor den 1960er eine herausragende Rolle, denn alle neuen Trends gingen von ihr aus.

Bereits 1868 organisierte sich die Pariser Haute Couture zur Vertretung des Schneiderhandwerks in einem Verband, aus dem 1911 die Chambre Syndicale de la Couture Parisienne wurde. Diese Gruppe bewarb ihre Mode aktiv in Übersee und bereitete den Weg für die imposanten Pariser Schauen, die noch heute die gesamte internationale Modebranche inspirieren.

Haute Couture

Galliano für Christian Dior, 2007

Wer kauft Haute Couture?

Anders als früher werden Haute-Couture-Modelle mit Preisen zwischen 15.000 und 200.000 Euro pro Kleid nur noch von einem kleinen Kreis von wenigen hundert Kundinnen weltweit gekauft.

Das Umfeld saudiarabischer Ölmillardären begeistert sich für die luxuriösen Einzelstücke aus Paris, aber auch in Russland, China und Indien gibt es Liebhaberinnen.

Wer Haute Couture kauft, bekommt natürlich einen persönlichem Termin, die Kleider werden dann für jede Kundin exklusiv hergestellt und im Atelier so lange angepasst bis sie wirklich perfekt passen.

Kriterien für die Haute Couture

Haute Couture

Thierry Mugler 1997

Die Bezeichnung Haute Couture ist in Frankreich geschützt – wer an den Pariser Couture Shows teilnehmen will, muss sich jedes Jahr bei der Chambre Syndicale de la Haute Couture bewerben und die Standards erfüllen:

Das Modehaus muss mindestens 15 Mitarbeiter beschäftigen und zwei Kollektionen pro Jahr zeigen.

Jede der Kollektionen muss aus mindestens 35 Modellen für Tages und Abendmode bestehen – ein jedes natürlich ein Unikat.

An den exlusivsten Roben sitzen Näherinnen viele hundert Stunden und besticken sie mit Tausenden von Perlen, Pailletten oder Glassteinen von Hand.

Die Modehäuser, welche sich eine kostspielige Haute-Couture-Sparte leisten, werden weniger. Manche setzen auch aus Kostengründen einige Saisons aus (Givenchy, Laccroix).

Haute Couture

Lanvin 1915

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges waren über 100 Modehäuser Vollmitglieder. Anfang der 1990er waren es noch über 20, im Jahr 2011 gerade noch 15.

Ehemalige Mitglieder sind Jeanne Lanvin, Guy Laroche, Grès, Jean Patou, Nina Ricci, Louis Féraud, Paco Rabanne, Thierry Mugler und die japanische Designerin Hanae Mori.

Deswegen haben sich die Voraussetzungen zur Teilnahme stark gelockert. Mittlerweile braucht man keinen Sitz mehr in Paris, es reicht eine tragende Rolle in der Pariser Modewelt.

Solche Mitglieder sind Valentino und Armani (Italien), Azzedine Alaïa (Tunesien) und Elie Saab (Libanon).

 

Author: Rain Elixirs

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